Theaterabend der Sekundarstufe: das ist unsere Geschichte

Das düsterste Kapitel der deutschen Geschichte, die Zeit des Holocausts an die Juden auf die Bühne zu bringen, ist eine ernste und zugleich sensible Herausforderung. Die Theater-AG der Sekundarstufe hat sich an das Thema gewagt und erzählte in dem Stück "Das ist unsere Geschichte - ein Stück über den Holocaus" Schicksale, die jeden Zuschauer berührten, Mitgefühl auslösten und das Böse im Menschen zeigten. Am 1. Juni 2017 nahmen die jungen Schauspieler während der zwei Aufführungen das Publikum zurück in eine Zeit, in der die Nationalsozialisten Millionen von Juden vernichteten. Das Stück stellte aber nicht die Schuldfrage in den Mittelpunkt, sondern vielmehr wurde man sich bewusst, wie sich das Böse behaupten kann, wie Menschen Mitläufer werden, ohne kritisch zu sein, wie aber auch Menschen in tiefster Not und in der Angst das eigene Leben zu verlieren, sich einsetzen und den Mut aufbringen, sich dagegen zur Wehr zu setzen und Leben retten zu wollen. Das Stück spielte in einer Munitionsfabrik, in dem jüdische Kinder zur Arbeit gezwungen wurden. Irene Gut (Jesler van Houdt, 12a), die Aufseherin der Kinder, versteckte nach einer Anstellung bei der Familie Oberst Rugemer (Felix Lorenz, 12a) als Haushaltshilfe sieben jüdische Kinder im Keller des Nationalsozialisten.

Jesler zeigte eine herausragende Performance. Die Verzweiflung des Charakters, vor allem aber die Gutmütigkeit und der Mut, mit der sie sich gegen den Irrsinn stellte, waren spürbar. Nachdem die Kinder von den Töchtern (Felien Eek, 9a; Mirai Hoffmann, 8a) und des Sohnes (Jakob Darmstadt, 9a) des Obersts entdeckt wurden, bot das Stück drei verschiedene Enden. Nach jedem Ende ist auf eine vorherige Szene zurückgesprungen und die Frage „Was wäre, wenn…“ neu aufgerollt worden. Die beiden Erzählerinnen Charlotte Martin (8a) und Mona Bunzel (10a) begleiteten die Zuschauer durch die Szenen und regten vor allem mit ihren Fragen zum Nachdenken an. Alle drei Versionen endeten mit Tod, Elend oder Trennungen von Familien. Alle drei hatten aber eines gemeinsam: General Pranke (Hessel Eek, 8a), der als Nationalsozialist keine Juden duldete und ganz im Sinne des Führers handelte. Hessel beeindruckte mit seiner brillanten Interpretation des SS-Generals und verkörperte das Böse in seiner schrecklichsten Form. Am Ende des Stücks wird dem Zuschauer deutlich, dass nicht nur das Ende Geschichte schreibt, sondern vor allem der Anfang von humanitären Katastrophen zeigt, wie sich Hass anstatt Gutherzigkeit ausbreiten kann – und das selbst in der heutigen Zeit.

Peter Scholz (Regie und Skript) hat es geschafft das Thema des Nationalsozialismus auf eine Weise zu interpretieren, das eine lähmende Traurigkeit, grenzenloses Mitgefühl und tiefe Betroffenheit auslöste, aber dennoch Momente des Glücks und des Miteinanders kreierte und sogar an der ein oder anderen Stelle zum Schmunzeln anregte. Die Sekundarstufenschüler überzeugten in jeder einzelnen Rolle und zeigten die Verwundbarkeit, Barmherzigkeit oder Gnadenlosigkeit der Menschen mit beeindruckenden Interpretationen.

Besonderer Dank gilt den Schauspielern, den Tänzerinnen, der Technik, der Bühnenbild-AG unter der Leitung von Christine Scholz sowie der Regie-Assistentin Anna Pelka, der 11. Klasse für das Catering und den zahlreichen Helfern hinter der Bühne.

js/PR


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